Was ist kulturelle Identität und an welchen Räumen, Materialien und Traditionen lässt sie sich festmachen? Ist es möglich, Herkunft und Heimat dadurch zu definieren und zu einem positiven Selbstbild zu gelangen? Dies sind Fragen, welche sich hinsichtlich des ländlichen Raums in Zeiten des demografischen Wandels in drastischer Weise stellen.

Das Museum Villa Rot in Burgrieden-Rot versteht sich als lokaler Ankerpunkt, als fester Raum, innerhalb der inter!m – Kulturhandlungen. Die beiden Kooperationstpartner laden Künstler_innen ein, sich mit spezifischen, identitätsbildenden Aspekten auf der Schwäbischen Alb zu beschäftigen und intermediale Werke daraus zu entwickeln, welche die Identität und die Geschichte dieser Gegend widerspiegeln.

Das Thema von inter!m – Räume für das Jahr 2017 ist „Textil“. Bereits früh prägte das Textilwesen die Schwäbische Alb, da sie ein wichtiger Nebenerwerb für viele Menschen darstellte. Den Konkurrenzkampf mit Niedriglohnländern konnten nur wenige Betriebe bestehen, was zum Niedergang dieses wichtigen Unternehmensbereichs führte. Viele ehemalige Fabrikgebäude stehen heute leer oder werden anderweitig genutzt. Doch kann auch beobachtet werden, dass die Wertschätzung deutscher Qualität und innovative Ideen in der Branche weiterhin ein lebendiges Gewerbe rund um Stoffe und Gewebe aufrechterhalten.

Neben der wirtschaftlichen Bedeutung des Textils für die Region lassen sich auch individuelle, subjektive Bezüge herstellen: Welche traditionellen Techniken, Muster und Materialien prägen unsere Vorstellungen von unserer Heimat? Welche Stoffe sind überhaupt typisch schwäbisch? Und lässt sich in Zeiten von H&M und Co. überhaupt noch von Regionalität im Textil sprechen?

All dies sind Fragen, die insgesamt sechs Künstlerinnen und Künstler motiviert, die Einladung des Museums Villa Rot anzunehmen und jeweils einen Monat vor Ort in Münsingen zu recherchieren, um Werke zu entwickeln.

Die Abschlussausstellung aller Ergebnisse beginnt am 23. Juli im Museum Villa Rot.