Wie erhalten wir Informationen über die Geschichte? Was können Funde »erzählen« und wie arbeiten Archäologen?

Diesen Fragen sind die Schüler und Schülerinnen der sechsten Klasse des Gymnasiums Aulendorf gemeinsam mit der Museumswerkstatt Archäologie in Oberschwaben nachgegangen.

Das neue Vermittlungsformat entstand in enger Zusammenarbeit mit der Geschichtslehrerin Frau Hubig und orientiert sich am aktuellen Bildungsplan. Dabei steht zu Beginn des Geschichtsunterrichts die Frage im Zentrum, auf welchen Wegen Geschichte entsteht und erzählt wird. Die besuchten Museen boten dazu genau den richtigen Platz.

»Selbermachen!« lautete das Motto und so startete das Projekt mit einem Unterrichtsbesuch, bei dem die Klasse sich mit verschiedenen stein- und bronzezeitlichen Objekten (Repliken) beschäftigte. Um einen Eindruck von wissenschaftlichem Arbeiten zu erhalten, dokumentierten die Schüler und Schülerinnen »ihre« Objekte gewissenhaft. Dazu gehört das Beschreiben, Vermessen, Zeichnen und Fotografieren. In eigener Recherche wurden weitere Informationen über das Objekt zusammengetragen und in einem Erfassungsbogen gesammelt.

Beim ersten Museumsbesuch im Federseemuseum tauchten die Teilnehmenden in die Welt der Jungsteinzeit und Bronzezeit ein. Neben aktiven Teilen, etwa Feuer machen oder das Kochen eines jungsteinzeitlichen Eintopfs, erhielten die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Informationen über die Jungsteinzeit. Immer dabei die Frage: »Woher weiß man das?« So wurden verschiedene archäologische Forschungsmethoden vorgestellt, aber die Ergebnisse auch hinterfragt. Anhand vieler Rekonstruktionen konnte aufgezeigt werden, was wirklich nachzuweisen ist und was oftmals nur ergänzt wird. Geschichte ist eben nicht festgeschrieben, sondern wird durch die jeweilige Interpretation und den Kontext beeinflusst. Der Grundstein zum selbstständigen Hinterfragen historischer Quellen wurde hier bereits gelegt und zeigte sich auch im Fortlaufen des Projekts immer wieder in der eigenen Meinung der Schülerinnen und Schüler.

Der zweite Tag führte in die Zeit der Kelten, in die beiden Museen der Heuneburg. Die erste Hälfte des Tages war geprägt vom Thema der archäologischen Arbeitsweisen, die die aufmerksamen Schülerinnen und Schüler selbstständig im museumseigenen Projekt »Erlebnis Ausgrabung« ausprobieren durften. Da wurde geschaufelt, gepinselt, gezeichnet und vermessen und schließlich alle Funde gemeinsam besprochen. Dabei kristallisierte sich bereits heraus, dass es typische Funde für manche Stellen, etwa Haus und Hof oder Gräber gibt, aber manche Objekte auch in allen Situationen vorkommen können. Das war eine wichtige Erkenntnis, die im Keltenmuseum in Hundersingen auch nochmal deutlich wurde: Ein Objekt besteht für sich allein. Je nach Kontext aber, erzählt es unterschiedliche Geschichten. Dass das in der Vermittlung der Geschichte, zum Beispiel im Museum, eine wichtige Rolle spielt, wurde in der zweiten Hälfte des Tages klar, denn da mussten die Teilnehmenden selber kuratieren und verschiedene Objekte den Themenbereichen im Museum zuordnen.

Den Abschluss der Einheit bildete ein zweiter Unterrichtsbesuch, in dem die Erfahrungen kurz wiederholt und zusammengefasst wurden. Eine letzte Aufgabe wartet noch: Die Schülerinnen und Schüler sollen »ihre« Objekte selber in der Schule ausstellen. Dazu müssen die Vitrinen von ihnen bestückt und interessante Objekttexte geschrieben werden.

Ziel dieses neuen Projekts war die Entwicklung eines neuen Vermittlungsangebots, das schulische und außerschulische Lerneinheiten verbindet und eine längerfristige Arbeit zwischen der Schule und den Museen fördert. Eine Ausrichtung am Bildungsplan sichert eine langfristige Bedeutung für Schulklassen und ermöglicht die Abdeckung von verschiedenen Themen. So lernten die Schülerinnen und Schüler nicht nur historisches, sondern schulten ihre Informations- und Präsentationskompetenzen durch viel selbstständige Arbeit und einen reichen Methodenwechsel. Ebenso gibt es zahlreiche fächerübergreifende Ansätze, etwa zu den Fächern Deutsch, Bildende Kunst und der digitalen Bildung.