Neue Wege der Vermittlung zu gehen, das ist ein
erklärtes Ziel der Museumswerkstatt »Archäologie in Oberschwaben«, die Teil der Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb ist. Diese will im Rahmen des Projektes »TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel«,
einer Initiative der Kulturstiftung des Bundes, die Kultur in der ländlichen Region erhalten und stärken.

Um neue Wege zu finden muss man auch Neues
wagen und so startete das Federseemuseum
gemeinsam mit der fünften Klasse des Caspar Mohr Progymnasiums Bad Schussenried einen ersten
Versuch des »Hausbauprojektes« für Schulklassen. Von Museumsseite ging es dabei hauptsächlich um Fragen des Ablaufs, Arbeitszeiten und ob die
Aufgaben lösbar sind. Für die teilnehmende Schulklasse und ihre engagierte Lehrerin war es ein
Abenteuer, das nur gemeinsam zu bestehen war. Das Endergebnis war zu Beginn noch unklar.
Die Klasse und zwei Lehrkräfte fanden sich am 29. und 30. Mai 2017 schon früh um acht Uhr im
Museum ein. Die Aufgabe: Eine bereits im Aufbau befindliche Lehmhütte muss weiter gebaut werden. Allerdings mit dem Werkzeug und den Techniken, die auch den jungsteinzeitlichen Siedlern am Federsee zur Verfügung standen. Um die Aufgabe zu lösen, mussten die Schüler und Schülerinnen in
Kleingruppen abwechselnd Bast zwirnen um Seile zu erhalten, sowie Weidenäste schneiden und diese in der Flechtwand und der Prügelwand des Hauses
verbauen. Am zweiten Tag wurden die fertigen
Wände mit selbstgestampftem Lehm von
Hand verputzt.

Innerhalb kürzester Zeit hatten die Teilnehmenden sich in die Techniken eingefunden, konnten eigene Ideen ausprobieren und berieten die
Museumspädagoginnen mit Verbesserungsvorschlägen. Lediglich beim Decken des Dachs mit Schilf mussten sich alle geschlagen geben. Die selbstgezwirnten Bänder bauten nicht genügend Spannung auf, so dass das Schilf immer wieder abrutschte.

Was ist nun neu an der Idee?

Neben der Wissensvermittlung liegt ein neuer Schwerpunkt in diesem Projekt auf dem erlebnis-
pädagogischen Ansatz. Anders als bei sonstigen Schulprojekten, etwa der Herstellung eines Lederbeutels, haben die Teilnehmenden keine vorbereitete Aktion durchgeführt. Vielmehr hing das Gelingen von der Motivation und der Teamarbeit der gesamten Klasse ab, denn ein Haus baut keiner allein. Der großzügige zeitliche Rahmen gab allen Raum, sich auf das Projekt und die einzelnen Aufgaben einzulassen. Es wurden individuelle Stärken entdeckt und anerkannt. Am Ende stand ein Ergebnis, auf das alle stolz sein konnten. Erkenntnisse über die Jungsteinzeit kamen dabei durch einige gezielte Informationen seitens des Museumsteams, viel mehr jedoch auch durch eigene Reflexion im Arbeiten. So zeigten die Schülerinnen und Schüler Respekt vor dem Können der jungsteinzeitlichen Siedler, waren aber auch froh, in der heutigen Zeit mit moderner
Technik zu leben.

Die Projektidee wird nun im Federseemuseum
weiterentwickelt, so dass ein reguläres museums-
pädagogisches Angebot daraus entsteht.