Im Kreis der vielfach weitgereisten Stammspieler der Cappella Aquileia entstand bereits kurz nach der Orchestergründung der Wunsch, neben der Konzerttätigkeit auch vermittelnd in die Festspielstadt Heidenheim und ihr Umfeld zu wirken. In der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg (JPO) finden die Musiker eine ideale Partnerin: die JPO versammelt den begabten Nachwuchs aus den 14 Musikschulen der Region zu zwei jährlichen Arbeitsphasen und anschließenden Konzerten. Obwohl die Opernfestspiele auf der hochprofessionellen Ebene gleiche Inhalte verfolgen wie die JPO auf dem Feld der Begabtenförderung, finden JPO-Mitglieder keineswegs selbstverständlich die Verbindung und den Weg zu den Festspielen. Die Opernfestspiele möchten deshalb gerade bei den vergleichsweise gut geförderten „Hochbegabten“ Wege zur Partizipation an einem herausragenden Kulturangebot öffnen. Ab dem Jahr 2016 übernimmt die Cappella Aquileia eine Patenschaft für die Junge Philharmonie Ostwürttemberg: Aufbauend auf Erfahrungen der Streicherakademie Mainz erarbeiten Ensembles, die aus Profis und Nachwuchsmusikern gemischt besetzt sind, Kammermusik bis hin zu Musik für kleines Kammerorchester. Am Ende der Workshops stehen entsprechende gemeinsame Konzerte und Auftritte. Die jungen Nachwuchsmusiker werden in der konkreten musikalischen Arbeit mit den Profis inspiriert und „mitgerissen“. Das Konzept schafft eine ideale Ergänzung zwischen Instrumentalunterricht und Orchesterprobe. Es befördert die Attraktivität und in besonderem Maße auch die musikalische Qualität der JPO. Eine dauerhafte zusätzliche Verbindung zwischen Musikschulen, JPO und nicht zuletzt Eltern und Angehörigen – die die gemeinsamen Aktivitäten ehrenamtlich begleiten – aus dem gesamten Raum Ostwürttemberg zu den Opernfestspielen Heidenheim wird geschaffen. Dadurch transformiert sich zusätzlich die öffentliche Wahrnehmung der „Höchstqualität“ der Cappella Aquileia: Der von Profis und Jugendlichen gemeinsam gegangene Weg durch den Probenprozess hin zum gemeinsam erlebten Konzert sensibilisiert Jugendliche und ihr Umfeld und befähigt zu einer tiefen Wahrnehmung von künstlerischer Qualität.

Des Weiteren entsteht eine Verknüpfung zwischen Cappella Aquileia und JPO durch den Einsatz der Spitzenmusiker der Cappella in den halbjährlich stattfindenden Projekten der JPO als Dozenten. Die Erfahrung und Expertise die die Musiker aus ihren Tätigkeiten sowohl als Orchester der Opernfestspiele, wie auch aus ihren anderen künstlerischen Tätigkeiten, mitbringen vermittelt den jungen Musiker*innen einen breiten Eindruck über die Musiklandschaft in Deutschland. Durch den fachlich-künstlerischen und auch den persönlichen Austausch wächst die Verbundenheit zwischen Cappella und JPO auch über die einzelnen gemeinsamen Kammermusikprojekte hinaus.

Andere Organisationen die musikalisch exzellente Jugendliche in der Region fördern, können und sollen im Projektverlauf in die gemeinsame Arbeit einsteigen oder in eigenen Projekten ein Teil der Begabtenförderung werden, um die Netzwerke zwischen den jungen Musikerinnen und den zugehörigen Organisationen zu stärken. Möglicher und wünschenswerter Projektpartner in der Exzellenzförderung ist unter anderem der Junge Kammerchor Ostwürttemberg als Gegenstück zur JPO für die Begabtenförderung im Bereich Gesang.

Der innovative Ansatz von »OH! für alle« ist ein doppelter. Im Felde der Begabtenförderung entwickeln Musiker der Cappella Aquileia eine Zwischenform aus Unterricht und Probe für die musikalische Arbeit mit Jugendlichen. Auch hier findet im gemeinsamen, unmittelbaren musikalischen Tun ein gegenseitiger Lernprozess statt: Die gleichberechtigte Auseinanderset-zung von professionellen Musikern und Jugendlichen mit dem Werk und die zusammen ge-spielten und erlebten Konzerte bringen den Jugendlichen intensivere Erfahrungen mit Musik und musikalischer Arbeit, als sie im reinen Instrumentalunterricht oder in der vergleichsweise frontal geführten Orchesterprobe gemacht werden. Musiker und damit Handelnde der Cappel-la Aquileia finden einen ungleich direkteren Zugang zu Jugendlichen, als das in einem konven-tionellen Jugend- oder Familienkonzert möglich wäre. Zwei Institutionen, die bislang getrennt voneinander „das Gleiche machen“, wachsen buchstäblich zusammen.