Die Lernende Kulturregion ist 2016 durch die Initiative »TRAFO – Modelle für Kultur im Wandel« der Kulturstiftung des Bundes entstanden. Finanziert durch EU-, Bundes- und Landesmittel unterstützt sie die Weiterentwicklung von Kultureinrichtungen auf der Schwäbischen Alb. Das Theater der Stadt Aalen, das Naturtheater der Stadt Hayingen und das Literaturnetzwerk Oberschwaben wurden jetzt für eine Förderung in der Lernenden Kulturregion ausgewählt.

Die Lernende Kulturregion unterstützt Kultureinrichtungen auf der Schwäbischen Alb dabei, zukunftsfähige Strukturen und Arbeitsweisen zu entwickeln und sich noch besser für die Menschen und Themen im ländlichen Raum zu öffnen. Seit 2017 können sich daher Kultureinrichtungen auf der Schwäbischen Alb mit einem Transformationsprojekt bewerben, das mit Mitteln aus TRAFO und der zuständigen LEADER-Region gefördert wird. Ziel ist es, das EU-Förderinstrument noch besser für nicht-investive Kulturprojekte zu erschließen. Im Rahmen dieser gemeinsamen Förderpraxis wurden im vergangenen Jahr drei Projekte regionaler Kultureinrichtungen durch die zuständigen LEADER-Aktionsgruppen sowie die Fachjury der Lernenden Kulturregion ausgewählt. Während die Aktionsgruppen u. a. aus engagierten Bürger/innen der Region besteht, ist die Fachjury mit Expert/innen verschiedener kultureller Sparten und Regionen besetzt. Auf diese Weise wird garantiert, dass die beantragten Vor-haben praxis- und bürgernah, zugleich aber auch professionell und zukunftsorientiert sind.

Als Kooperationsprojekt zwischen den LEADER-Aktionsgruppen Brenzregion und Jagstregion verbindet das Projekt des Theaters der Stadt Aalen die Bürger/innen der drei Härtsfeld-Kommunen Dischingen, Nattheim und Neresheim. Zusammen mit professionellen Künstler/innen und den örtlichen Schulen und Vereinen macht sich das Theater auf den Weg, die Region Härtsfeld mit künstlerischen Mitteln zu entdecken und zu beschreiben. Unter dem Titel »Wir sind das Härtsfeld!« werden gemeinsame Veranstaltungen entwickelt und in den drei Gemeinden umgesetzt. Die beiden LEADER-Regionen und die Lernende Kulturregion fördern das über 100.000 Euro große Vorhaben zu rund 70 %. Die Gemeinden unterstützen das Projekt paritätisch mit einem Finanzierungsbeitrag von je 10.000 Euro.

Vielfältiger, professioneller und näher an den Bürger/innen der Stadt. So stellen sich die Macher des Naturtheaters Hayingen dessen Zukunft vor. Um diesen Weiterentwicklungsprozess zu gestalten, hat die Stadt Hayingen als Träger des bisher ehrenamtlich organisierten Theaters ein Konzept erstellt, das alle Bereiche in den Blick nimmt: Das bisherige Sommertheater wird um ein Ganzjahresprogramm mit wechselnden Spielorten und soziokulturellen Angeboten erweitert. Um zusätzliche Mitstreiter zu gewinnen, werden Kreativ-Werkstätten eingerichtet, in denen das Theaterteam gemeinsam mit interessierten Menschen aus der Region an Requisite, Kostüm, Bühne und Technik arbeitet. Zudem werden Kulturpartnerschaften mit lokalen Bildungseinrichtungen und Gastronomiebetrieben angestrebt. Da die Vielfalt der Aufgaben schon jetzt nicht mehr im Ehrenamt leistbar ist, wird auch die Organisationsstruktur des Theaters angepasst und eine halbe Stelle bei der Stadt neu eingerichtet, die für die Verwaltung zuständig ist. Mit Profis werden auch die künstlerisch-konzeptionelle Leitung und die nur zeitweise notwendige Prozessbegleitung besetzt. Die Umsetzung des zweijährigen Prozesses kostet fast 200.000 Euro und wird zu einem Drittel durch die Stadt Hayingen finanziert. Weitere zwei Drittel werden über EU-Mittel der LEADER-Region Mittlere Alb und TRAFO-Mittel der Lernenden Kulturregion Schwäbische Alb fließen.

Eine weitere Förderung wurde der Ernst-Jünger-Stiftung der Kreissparkasse Biberach für ein Vorhaben in der LEADER-Region Oberschwaben zugesagt. Die Stiftung, die das Ernst-Jünger-Haus in Wilflingen betreut, möchte die Federführung für den Aufbau eines Literaturnetzwerks übernehmen, zu dem sich acht literarische Orte Oberschwabens zusammenschließen wollen. Ziel ist, die Präsenz der literarischen Orte in der Region zu steigern, die Expertise der Einrichtungen zu bündeln und zu deren Profilbildung und Zukunftssicherung beizutragen. Das Netzwerk soll Mitmachstation, Anlaufstelle und zeitgemäßer Lernort für die Region sein und unter Einbezug der Menschen und Einrichtungen vor Ort entwickelt werden. Für den fachlichen Input konnte die Arbeitsstelle für literarische Museen und Gedenkstätten Baden-Württemberg, ansässig beim Literaturarchiv in Marbach, gewonnen werden. Die Betreuung des Netzwerkes, die Koordination der gemeinsamen Treffen und Veranstaltungen sowie die Professionalisierung der Abläufe sollen an ein Projektbüro vergeben werden. Das Vorhaben ist auf zwei Jahre angelegt und wird rund 190.000 Euro kosten. Durch die Verknüpfung der LEADER- und TRAFO-Fördermittel werden drei Viertel aus Landes- und Bundesmitteln gedeckt. Der Antragsteller trägt rund ein Viertel der Projektkosten.

Die Lernende Kulturregion Schwäbische Alb wird auch in den Folgejahren gemeinsam mit den beteiligten LEADER-Regionen zu Anträgen aufrufen. Bewerben können sich Kultureinrichtungen, die sich weiterentwickeln, neue Ideen ausprobieren und ihre Arbeitsweisen um unkonventionelle Formate und Kooperationen erweitern wollen, beispielsweise Theater, Museen und Konzerthäuser, aber auch Bibliotheken, Volkshochschulen und andere kulturelle Einrichtungen, die nicht rein ehrenamtlich geleitet werden. Weitere Voraussetzung ist, dass das beantragte Vorhaben innerhalb der Modellregion Schwäbische Alb realisiert wird. Informationen und Unterlagen zur Antragstellung sind hier erhältlich.